Als Ende der 70er die „Weiberhelden vom Blumberghof“ – unter ihnen übrigens der heutige Bürgermeister Johann Müller – die Bühne des Jugendheims eroberten, da fand eine alte Tradition in Tiefenbach ihre Fortsetzung: das Theaterspielen.
Denn bereits der einstige Burschenverein pflegte das Laienspiel, damals noch unter der Regie von Michael Bücherl. Seine Tochter Lydia ist inzwischen wieder mit von der Partie. Weniger im Vordergrund, dafür – umso wichtiger – hinter den Kulissen. Die Pfarrhaushälterin fungiert nämlich seit einigen Jahren als Souffleuse.

 

Kooperator als „Einsager“
Sie weiß noch bestens, wie das Ende der 50er, Anfang der 60er war. Auch ernste Stückl’n wurden in den Jahren nach dem Krieg aufgeführt. „Das war gar nicht so einfach“, erinnert sich Lydia Bücherl. Sogar die Kooperatoren wurden eingespannt, durften „einsag’n“. Als dann das Fernsehen immer stärker in Mode kam, fand das Theater weniger Interesse. Und irgendwann wurde überhaupt nicht mehr gespielt.
Erst die Mitglieder der KLJB erinnerten sich wieder daran und wagten sich auf die Bretter, „die die Welt bedeuten“. Der Auftakt mit den „Weiberhelden“ war verheißungsvoll, die Zuschauer waren begeistert. 1981 folgte die „Tugendbrille“, als Regisseur fungierte erstmals Hans Bindl aus Trosendorf. Diese Zusammenarbeit – sie hält erfreulicherweise immer noch an – entpuppte sich als echter Glücksfall.
Bindl, der 25 Jahre lang mit dem Hiltersrieder Trachtenverein auf der Bühne gestanden hatte, gab den damals (noch) Jugendlichen wertvolle Tipps, wusste, wie man sich in den verschiedenen Rollen richtig verhält.
Pfarrer predigte über Akteur
Das Stück „Wie der Hubermartl den Teufel überlistete“ sorgte 1982 sogar dafür, dass der damalige Pfarrer Josef Duschner – übrigens stets ein großer Fan der Tiefenbacher Schauspieler – über einen Akteur eine Predigt verfasste. Sie war aber keineswegs böse gemeint, sollte nur zum Nachdenken anregen.
1985 führte die KLJB dann ihr bisher erfolgreichstes Stück auf: „Die hölzerne Jungfrau“. Die Besucher waren schier aus dem Häuschen ob des turbulenten Geschehens auf der Bühne und rannten den Veranstaltern Tür und Tor ein. Aber auch die anderen Stücke lockten stets mehrere hundert Besucher ins Jugendheim, denn die Tiefenbacher Spielerschar hat sich im Laufe der Zeit im gesamten Landkreis und darüber hinaus einen guten Ruf erworben.
Anfang der 80er hatte man zwar das Problem, über keine älteren Akteure zu verfügen, das änderte sich aber im Laufe der Zeit. Die Mitwirkenden – ein harter Kern von rund 15 Personen – kamen nämlich in die Jahre. Und da immer wieder „junge Hasen“ Theaterluft schnuppern möchten, hat sich eine „gute Mischung“ gefunden.
Mit unterschiedlichen Gefühlen erinnern sich einige Spieler an frühere Zeiten, als die Bedingungen im Jugendheim alles andere als optimal waren. Es gab damals noch keine Zentralheizung, also mussten vor jeder Probe oder Aufführung die Holz- und Ölöfen geschürt werden. Trotzdem hatten die Akteure immer wieder ihren Spaß, auch wenn sie ab und zu in dicke Mäntel gehüllt und bibbernd ihren Text aufsagen mussten. Der Theaterzeit – meist im Herbst – fieberten sie alljährlich entgegen.

Seit 1998 Theaterverein
Seit 1998 gibt es eine eigene Theatergruppe, die sich die Pflege des Theaterspiels auf seine Fahne geschrieben hat. Weit über 60 Mitglieder haben sich bereits aufnehmen lassen, darunter all jene, die schon in jungen Jahren in eine Rolle geschlüpft waren.
Zur guten Tradition der Tiefenbacher Theaterspieler gehört es, einen Teil der Einnahmen für einen wohltätigen Zweck zu spenden. Nutznießer gab es da schon viele, Privatpersonen ebenso wie caritative Einrichtungen. So unterstützte man beispielsweise die Hochwasseropfer im Landkreis Cham, ein herzkrankes Mädchen aus dem Raum Nittenau oder den Tiefenbacher Kindergarten.

Für viele der Mitglieder ging im Jahr 2005 ein Traum in Erfüllung. Anlässlich des Jubiläums „825 Jahre Gemeinde Tiefenbach“ führten rund 30 Akteure auf dem Hauptplatz in Tiefenbach das Freilichtstück „Schluss mit lustig“ oder „Das Gespenst von Tiefenbach“ auf. Geschrieben wurde das Stück extra zu diesem Anlass von Thomas Stammberger. Er führte zusammen mit der Schauspielerin Gabrielle Odinis auch Regie. Mit von der Partie waren zudem die „Klosterbergmusikanten“ der Landkreismusikschule Cham. Mit dem Stück sorgte man weit über die Landkreisgrenzen hinaus für Aufsehen. Zum einen lag dies an dem bekannten Schirmherrn, BR-Moderator Tilmann Schöberl. Zum anderen holte man sich bei jeder der insgesamt acht Aufführungen einen bekannten Gastspieler (darunter auch Landrat Theo Zellner) mit ins Boot.

Es dauerte nicht lange, und die rührige Truppe nahm ein neues Projekt in Angriff. Von November 2005 bis März 2007 baute sie die rund 30 Jahre alte Turnhalle, die seit Jahren nicht mehr genutzt wurde, für ihre Zwecke um. Der Verein investierte dabei nicht nur eine Menge Geld (es floss kein einziger Cent Zuschuss), sondern leistete auch rund 3800 ehrenamtliche Stunden. Mit dem „Spaßettl“, so die offizielle Bezeichnung des neuen Kulturtempels, hat man sich ein optimales Domizil geschaffen. Geplant sind neben Theateraufführungen auch Musikdarbietungen und Kleinkunst. Ein Beitrag also, um das Leben in der Gemeinde noch lebenswerter zu machen, wie es Vorstand Ludwig Prögler bei der Einweihung formulierte.